Städtische Gewässer haben eine stille Präsenz. Sie sind Verkehrswege Hafenbecken, Entwässerungssysteme oder Kulisse, die das Stadtbild schmückt. In der Logik der Stadtplanung erscheinen sie meist als funktionales oder ästhetisches Element, selten jedoch als sozialer Freiraum. Während Plätze und Parks selbstverständlich als Orte des öffentlichen Lebens gelten, bleibt das Wasser im Bewusstsein städtischer Gesellschaften ein Raum ohne Alltagspraxis: sichtbar, aber kaum zugänglich.
Mit dem Amt für flüssigen Freiraum untersuchen wir urbane Wasserräume als gesellschaftliche Orte. Am Beispiel des Kieler Hörnbeckens erforschen wir ihr Potenzial für eine erweiterte Vorstellung von Öffentlichkeit. Können Wasserflächen zu räumlichen und symbolischen Brücken werden?
Das Amt für flüssigen Freiraum begreift Wasser nicht nur als ökologische Ressource, sondern als kulturelle und gesellschaftliche Infrastruktur. In Zeiten wachsender Verdichtung, zunehmender Privatisierung und fortschreitenden Klimawandels zeigt sich, wie notwendig es ist, urbane Wasserflächen neu zu denken: als Räume, die nicht trennen, sondern verbinden; die nicht exklusiv, sondern gemeinwohlorientiert wirken; die nicht nur Kulisse, sondern Teil eines lebendigen, sozialen Stadtkörpers sind.
Im Rahmen einer Uferinventur wurden das Ufer so nah wie möglich am Wasser abgeschritten und videografische dokumentiert. So wurden bauliche Bedingungen entlang der Kieler Förder erfasst und in verschiedene Karten übertragen. Dabei hat sich gezeigt, das weite Teile im Innenstadtbereich durch gewerbliche, militärische oder private Nutzung unzugänglich sind.
Das Hörnbecken hat sich für das Projekt als besonders relevanter Untersuchungsraum herausgestellt: Es weist ungenutzte Bereiche, Potenziale für alternative Zugänge und eine enorme ökologische Belastung auf, wodurch es ideal für experimentelle Interventionen und partizipative Erkundungen geeignet ist. Gleichzeitig manifestiert es topografische die Trennung und Verbindung von Ost- und Westufer, da sich die Ufer hier so nah kommen wie an sonst keiner anderen Stelle und weist somit eine hohe sozialräumliche Relevanz auf.